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Auf so einer Insel zu leben, heißt doch, viele Einschränkungen
in Kauf zu nehmen, oder?!


Richtig ist, dass das Leben auf der Insel einen ganz eigenen Rhythmus fordert. Viele Besucher sind darüber erstaunt, dass sie vom Strand aus noch viele hundert Meter bis zum Wasser laufen müssen. Wir können diese Besucher beruhigen, denn etwa sechs Stunden später läuft das Wasser mit der Flut bis auf den Strand auf. Wir schätzen jedoch ganz besonders die Möglichkeit, bei Ebbe eine geführte Wattwanderung zu unternehmen (z.B. zur Schwesterinsel Amrum). Augenfällig ist auch der „Bevölkerungszuwachs“ durch Touristen in den Ferienzeiten sowie die bemerkenswerte Ruhe während der übrigen Zeiten. Für Festland-Besucher wirken auch die Feste und Traditionen, bei denen die Insulaner überwiegend unter sich bleiben, zunächst exotisch. Dazu gehört Friesisch als eigenständige Sprache, das Biike-Brennen (Feuerbrauch am 21. Februar), das puaskaier smitj (Ostereier-Werfen), der Herbst-Jahrmarkt, der das Ende der Saison ankündigt, das Tamsen (ein beliebtes Volksfest) im Dezember sowie das kenknin bzw. Rummelpott-Laufen zum Jahreswechsel. Wenn Sie uns besuchen, dann lohnt es sich, ein paar Tage mehr einzuplanen, um die Insel Föhr kennen zu lernen!

Für das Leben und die Betreuung von Menschen mit geistiger Behinderung ergeben sich vielfältige Vorteile aus der Insel-Lage. So erfahren BewohnerInnen, die unter chronisch somatischen Erkrankungen wie Asthma oder Neurodermitis leiden, deutliche und dauerhafte Linderung. Bedingt durch den Tourismus bietet die Insel umfangreiche kulturelle Angebote und Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und dennoch ausreichend Raum für Rückzug und Ruhe.

Für entscheidend halten wir jedoch den Integrationsvorteil, den Föhr allen BewohnerInnen bietet: Die Insel ist sowohl geographisch wie auch sozial gut überschaubar. Anders gewendet: Die BewohnerInnen kennen Föhr und Föhr kennt die BewohnerInnen vom Haus Schöneberg. Durch die lange Existenz von Haus Schöneberg konnte sich eine breite, solide und vor allen Dingen wechselseitige Vertrauensbasis bilden. Dies bietet auch kognitiv leistungsschwächeren BewohnerInnen einen großen Aktionsradius. Wir können zudem feststellen, dass viele BewohnerInnen vom wiederkehrenden Rhythmus der Insel profitieren - er gibt klare Orientierungspunkte im Inselleben und es fällt daher leichter, sich in der Welt zu Recht zu finden. Es scheint, als gelänge es auch autistischen Menschen, die Insel in ihre eigene Welt aufzunehmen. Da Föhr keinerlei Großstadtcharakter trägt, herrscht insgesamt eine Atmosphäre von Vertrautheit, Sicherheit und Geborgenheit. Einige BewohnerInnen, die sich mit dem Lebensalltag einer Stadt überfordert zeigten, konnten sich durch die Aufnahme ins Haus Schöneberg erheblich stabilisieren und führen inzwischen ein Leben, das von ihnen als wesentlich zwangsfreier und selbstbestimmter erlebt wird.

Haus Schöneberg ist integraler Bestandteil der Insel Föhr und der Charakter von Föhr prägt Haus Schöneberg.